Steckdose statt Zapfhahn

Umsteigen auf Elektroautos ohne auf Flexibilität verzichten zu müssen: Eine Studie von TU Wien, BOKU und AIT untersucht, wie praxistauglich Elektromobilität bereits geworden ist.

Elektroautos – schon heute für die meisten Verwendungszwecke gut praxistauglich

Praktisch muss es sein, schnell muss es gehen: Elektroautos werden sich nur durchsetzen, wenn sie das selbe Maß an Mobilität und Flexibilität ermöglichen wie Autos mit Verbrennungsmotoren. In einer neue Studie wurde nun untersucht, in welchen Bereichen der Umstieg von Verbrennungs-Fahrzeugen auf Elektroautos ohne Komfortverlust möglich ist und welche Bedeutung das für Stromnetze und Ladestationen haben wird. Das Ergebnis zeigt, dass der Großteil der Mobilitäts-Bedürfnisse heute schon ohne großen Aufwand von elektrisch betriebenen Fahrzeugen erfüllt werden kann.

Eine Steckdose daheim, eine am Firmenparkplatz
Gleich drei große Forschungseinrichtungen waren an der Studie beteiligt: Die Technische Universität Wien, Die Universität für Bodenkultur Wien und das Austrian Institute of Technology (AIT). Die Ergebnisse der Forschungsarbeit zeichnen ein optimistisches Bild von der Zukunft der Elektromobilität: „Bei Kleinfahrzeugen stellt sich ein Umstieg auf Elektromotoren in den meisten Fällen als sinnvoll heraus“, erklärt Markus Litzlbauer vom Institut für Energiesysteme und Elektrische Antriebe der TU Wien. Bei größeren Fahrzeugen (etwa bei Lasttransportern) ist der Wechsel schwieriger. Ein dichtes Netz von Ladestationen oder „Elektro-Tankstellen“ wäre gar nicht unbedingt nötig. Ladestationen zu Hause und eventuell auch am Arbeitsplatz wären in den meisten Fällen ausreichend. Auch auf aufwändige Elektroinstallationen könnte man verzichten: Zuhause und am Arbeitsplatz genügt eine gewöhnliche 230 Volt-Steckdose. Mit Photovoltaik würde sich ein Großteil der benötigten elektrischen Energie aufbringen lassen, besagt die Studie.

Die meisten Fahrten sind kurz
Für die Studie wurden Autos in Wien und Niederösterreich mit GPS-Sendern ausgestattet. Über drei Wochen wurde das Fahrverhalten genau aufgezeichnet. 95% aller zurückgelegten Wege waren kürzer als 50 km – die eingeschränkte Reichweite eines Elektroautos ist meistens also gar kein Problem. Bei sparsamer Fahrweise ist heute eine Strecke von 150 km bewältigbar. Allerdings legten doch immerhin 25% aller Fahrerinnen und Fahrer im dreiwöchigen Bobachtungszeitraum mindestens einmal eine Strecke von mehr als 150 km zurück. „Bei längeren Strecken besteht die Möglichkeit, zwischendurch eine kurze Pause an einer Schnellladestation einzulegen“, sagt Litzlbauer.

Bei etwa 60% aller untersuchten Autos (bei Klein- und Mittelklassewägen) wäre der gesamte Beobachtungszeitraum ohne Einschränkungen auch elektrisch zu bewältigen gewesen - mit ganz gewöhnlicher Aufladetätigkeit zuhause und am Arbeitsplatz. Nimmt man die Möglichkeit einer Schnellladung (maximal einmal pro Fahrt) dazu, hätten Elektroautos sogar in 80% der untersuchten Fälle ausgereicht. Bei größeren Autos (SUVs und Transporter) ist ein Umstieg auf elektrischen Antrieb allerdings kaum möglich.

Energie aus der Sonne
Berechnet wurde auch, in welchem Ausmaß sich die nötige elektrische Energie durch Solaranlagen aufbringen lässt – ein statistisch durchaus kompliziertes Problem: „Weder scheint die Sonne immer gleich stark, noch müssen immer alle Fahrzeuge gleichzeitig aufgeladen werden“, sagt Markus Litzlbauer. Bei realistischen Annahmen (gemeinsame Photovoltaik-Aufladestation für Wohnsiedlungen und auf Parkplätzen am Arbeitsplatz) wären Photovoltaik-Anlagen möglich, die im Jahresdurchschnitt genauso viel Elektrizität erzeugen, wie die Autos verbrauchen. 70% der Energie könnte direkt von der Photovoltaik-Anlage in die Autos gespeist werden, 30% müssten vom Netz eingespeist werden und könnten zu anderen Zeitpunkten wieder ans Netz zurückgeliefert werden.

Aus heutiger Sicht scheint die Elektromobilität also eine immer praxistauglichere Option zu werden. „Das größte Hindernis für den Erfolg von Elektrofahrzeugen am Markt ist heute immer noch der hohe Preis der Batterie“, meint Litzlberger. Was Reichweite und Infrastruktur betrifft, kann das Elektroauto schon heute einen großen Teil der Mobilitätsbedürfnisse erfüllen.

Fotodownload: http://www.tuwien.ac.at/dle/pr/aktuelles/downloads/2012/sem/

Webtipps:

Rückfragehinweis:
Dipl.-Ing. Markus Litzlbauer
Institut für Energiesysteme und Elektrische Antriebe
Gußhausstraße 25, 1040 Wien
T.: +43-1-58801-370132
markus.litzlbauer(at)tuwien.ac.at

Energy & Environment ist – neben Computational Science & Engineering, Quantum Physics & Quantum Technologies, Materials & Matter sowie Information & Communication Technology – einer von fünf Forschungsschwerpunkten der Technischen Universität Wien. Geforscht wird an der Erschließung neuer Energiequellen, der Versorgung mit Energie sowie deren Speicherung und effiziente Nutzung. Das technische Know how wird durch Expertise in den Bereichen Klima, Umwelt, Wirtschaft und Rohstoffe erweitert.